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Stiel-Eiche

Quercus robur

Familie: Buchengewächse, Fagaceae
Gattung: Quercus
Vorkommen: Europa, Türkei, Kaukasus
Wuchshöhe: meist 20 - 25, teils bis 40 m


Bei dieser deutschen Eiche sitzen die Früchte zu mehreren locker an einem 5–12 cm langen Stiel; bei der ebenfalls in Württemberg heimischen Traubeneiche in kurzgestielten Trauben dicht beisammen.
Bei den Blättern ist es umgekehrt: die kurzgestielten 4–8 cm langen Blätter der Stiel-Eiche bilden steife Rosetten an den Zweigenden, weshalb ihre Krone nicht sehr dicht ist und viel Licht durchlässt. Die 1–1,5 cm langgestielten Blätter der Traubeneiche, die häufig den Winter über am Baum bleiben, ergeben dagegen einen gleichmäßigen Behang und vollen Schatten.

Von unseren heimischen Bäumen ist keiner so mit Mythologie befrachtet wie die Eiche. Viele indogermanische Völker verehrten sie. Die Griechen weihten sie Zeus, die Römer Jupiter und die Germanen Thor, später Donar genannt, dem Gott der Blitze und des Donners.
Die Gründe lagen wohl in der majestätischen Gestalt der Eiche und in ihrer Eigenschaft Blitze anzuziehen. Wegen der hohen Dauerhaftigkeit galt das Holz der Eiche in der Antike und im Mittelalter als unverwüstlich und war somit ein Symbol der Unsterblichkeit.
Darauf geht wohl zurück, dass heute noch bei uns die Särge, wenn schon wegen der hohen Kosten nicht massiv in Eichenholz, so doch wenigstens mit Eichenholzdekor gefertigt werden.

Wie die 724 von Bonifatius beim hessischen Geismar gefällte Donareiche, fiel manche geheiligte Eiche der Christianisierung zum Opfer und noch lange danach galten Eichen als verwünschte Teufels- und Hexenbäume. Erst im 16. Jahrhundert erinnerte man sich wieder der antiken Eichensymbolik und verwendete ihre Embleme in heraldischen und anderen Ornamenten.

Die patriotische Verehrung der »deutschen Eiche« fing erst im 18. Jahrhundert mit Klopstock an. Zum Sinnbild des Sieges und Heldentums wurde Eichenlaub zu Anfang des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal auf dem Eisernen Kreuz von 1813, dann in der Turner- und deutschen Einigungsbewegung.

Die meist im Niederwaldbetrieb gewonnene Eichenschälrinde (Lohe = Abgeschältes, Losgelöstes) hatte früher bis in den Zweiten Weltkrieg hinein eine sehr bedeutende Rolle besonders in der Wirtschaft des deutschen Westens gespielt, da sie das beste und früher auch einzige Mittel zur Gerbung des Leders war.
Daneben gaben aber auch die meist stehend geschälten und gut ausgetrockneten Eichenstangen ein vorzügliches und geschätztes Brennholz ab und ließen, besonders in unserem Weinbaugebiet, auch eine hochwertige Verwendung als Rebpfähle zu.
Spaltstücke dieser Eichenstangen wurden aber auch in die Gefache unserer Fachwerkhäuser eingespannt und dazwischen mit Ruten aus Weiden und Hasel ausgeflochten, ehe das Ganze mit einem Gemisch aus Lehm und Spreu verschmiert wurde. Von diesem Hineinwinden der Weiden- und Haselnussruten ist das deutsche und niederländische Wort »Wand« abgeleitet.

Die Schälwaldumtriebszeit wird mit Rücksicht auf die frühzeitige Bildung einer rissigen und groben Borke statt der erwünschten glatten Spiegel- oder Glanzrinde, möglichst niedrig gewählt und liegt bei etwa 15–20 Jahren.
Nur die Glanzrinde hat den erwünschten hohen Gerbstoffanteil von bis zu 15 %. Die schwachen Stangen werden dann im Frühjahr, wenn sie in Saft gekommen sind, mit dem Lohlöffel geschält und die gewonnene Rinde auf Unterlagen zum Trocknen luftig gelagert. Die Massenerträge liegen auf mittleren Bonitäten bei etwa 4 Fm Holz und 5 Zentner Rinde je Hektar und Jahr.

Der Verkauf der Rinde aus den staatlichen und privaten Forstämtern um Bietigheim-Bissingen erfolgte meist auf dem seit 1860 regelmäßig durchgeführten Heilbronner Rindenmarkt, der einen jährlichen Umsatz von 20.000–50.000 Zentner Glanz- und Grobrinde erbrachte. Der letzte Rinden-Markt in Heilbronn wurde 1899 abgehalten.

Um 1900 standen im Altreich noch ca. 446.000 ha der Gesamtwaldfläche bzw. 50 % der gesamten Niederwaldfläche in Bewirtschaftung auf Eichenlohe. Die Eichenrinde musste genauso wie die Fichtenrinde zunächst zerkleinert, das heißt gemahlen, werden. Dies geschah nach W. Geisler und seiner Schularbeitsgemeinschaft in Bietigheim-Bissingen in folgenden Spezialmühlen: Die Bietigheimer Schleifmühle (heute die Hübner'sche Mettermühle) die Untere Mühle an der Metter (heute das Ordnungsamt) und schließlich die alte Ölmühle am rechten Enzufer, welche 1987 abgebrochen wurde. Bereits 1342 stand dort eine Lohmühle und 1692 eine Loh- und Walkmühle.

Mit der Einführung fremdländischer Ersatzstoffe, besonders des Quebrachoholzes aus Argentinien, und mit der steigenden Höhe der im Schälwald ins Gewicht fallenden Lohnkosten hat sich hierin aber ein entscheidender Wandel vollzogen, der bald nach Ende des Zweiten Weltkrieges zum völligen Niedergang dieser einst hochrentablen Wirtschaft geführt hat.
In Württemberg wurden bis zum Jahre 1969 lediglich noch im Staatlichen Forstamt Schöntal jährlich ca. 40 dz Eichengerbrinde für Spezialzwecke aufbereitet. Nach der Einbürgerung der Fichte in unserem Raum wurde auch hier Fichtengerbrinde gewonnen.
Das Schälen oder Lohen in der Saftzeit machte weniger Arbeit als bei der Eiche, außerdem lässt sich Fichtenlohe nicht so leicht durch chemische Mittel ersetzen, da sie unter anderem das für die Gerbung nötige Quellen der Häute bewirkt. Trotzdem ist die Nachfrage heute so gering, dass seit 1958 im Kreis Ludwigsburg keine Fichtenschälrinde mehr aufbereitet wird.

Waren die Häute gegerbt, wurden sie aus der Lohe, der gemahlenen Rinde, herausgenommen, übrig blieb der wertlose Lohkäs. Davon leitet sich die Redewendung ab: »Der schwätzt einen Lohkäs raus«.

Die Gerberhäuser, so auch das des Bietigheimer Gerbers August Grimm in der Holzgartenstraße, an der einst altehrwürdigen unteren Metterbrücke (abgebrochen 1951), standen immer an kleinen Flüsschen, wo sie ihre Häute wässern konnten. Hatten sie diese nicht genügend befestigt, so »sah gar mancher seine Felle fortschwimmen«, das heißt, die Gerber sahen dann ihre Hoffnungen auf Erfolg schwinden.

Die gemeine Eichengall-Laus Diplolepis quercus-follii, bringt mit einer Legeröhre ihre Eier in das Gewebe junger Eichenblätter. Unter der Reizwirkung des sich entwickelnden Eies und der Larve bilden sich an der Blattunterseite bis etwa 2 cm große kugelige Gallen mit einer Kammer für die Larve. Diese Eichengalläpfel sind zunächst saftig und von gelbgrüner Farbe, meist mit leicht rötlichen Bäckchen.
Die noch in meiner Schulzeit verwendete sogenannte Eisengallustinte war bereitet aus der Gallussäure dieser Eichengalläpfel unter Zusatz von Eisenvitriol und Tannin.

In schlechten Zeiten hat man in meinem Elternhaus Eicheln geröstet für den sogenannten Eichelkaffee. Ob er gut oder weniger gut schmeckte, daran vermag ich mich allerdings nicht mehr zu entsinnen. Selbst die Firma Kaffee-Frank, Ludwigsburg, hat noch im 2. Weltkrieg Eicheln geröstet.

Es ist nicht so sehr das Holz, an dessen Nutzbarmachung wir heute in erster Linie beim Wald denken, vielmehr hatte im Mittelalter das, was der Forstmann heute als Nebennutzungen bezeichnet, den augenfälligsten Wert:
Der Wald war die notwendige Ergänzung für die mittelalterliche Acker- und Wiesennahrung. Neben dem noch artenreichen Wild beherbergte er ganze Viehherden (Rindvieh, Pferde, Schafe und Ziegen). Die Nutzung selbst hieß »Blumbesuch«.
Einen Sonderfall der Waldweide stellt die Schweinemast dar. Während die Viehtrift im Herbst zu Ende ging, wurden die Schweine gerade dann in den Wald getrieben.
Der wichtigste Bestandteil des Schweinefraßes, »Eckerich« genannt, waren die Eicheln (Fruchtertrag in Samenjahren etwa 5000 kg/ha). Sie bildeten mit Bucheckern, Nüssen, Wildobst, Hagebutten, Schlehen, Speierlingsfrüchten und Beeren die Obermast. Zur Untermast gehörten Wurzeln, Pilze, Mäuse, Würmer, Schnecken und Insektenlarven.
Die Schweinemast war für die Volksernährung von erheblichem Wert und wuchs sich allmählich zu einer beträchtlichen Erwerbsquelle für den Grundherrn aus.
Eine grundlegende Anderung trat erst ein mit der in Württemberg Anfang des 18. Jahrhunderts beginnenden Verbreitung des Kartoffelanbaues durch den Waldenserführer Amaud von Schönenberg.
Urkundlich lässt sich die Nutzung des Geäckers in Deutschland bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. verfolgen. Der Forstmann spricht bei einem Eichen- und Buchensamenjahr heute noch von der Eichen- bzw. Buchenmast und nicht von Samen.

Hauptursache der vor allem an den Eichen zu beobachtenden Frostrisse ist die »Kälteschwindung«, die durch »innere Trocknung« zustande kommt und ebenso wie die normale Holzschwindung in Jahrringrichtung wesentlich größer ist, als in Richtung auf die Stammachse.
Infolge des tangential-radialen Schwindungsunterschiedes entstehen bei tiefen Temperaturen kritische, mit einem lauten, büchsenschussähnlichen Knall zu Frostrissen führende Querzugspannungen.
Diese Risse versucht dann der Baum in der nächste Vegetationsperiode zu überwallen, was zum Teil auch gelingt, aber die Verwachsung ist in den unmittelbar nachfolgenden Wintern dann noch so schwach, dass bereits bei kleineren Frosteinwirkungen die Risse sich wieder auftun und der Vorgang beginnt von Neuem. Auf diese Weise entstehen ganze Überwallungsleisten.
Eichenrinde, im Frühling gewonnen, diente zum Färben in gelbbraunen Tönen.

Ein naher Verwandter unserer einheimischen Eiche wächst in der Mittelmeerregion. Es ist die immergrüne Korkeiche – Quercus suber.
Was diesen Baum interessant macht, ist seine dicke Korkrinde. Wirtschaftlich nutzt man die Korkeiche vor allem auf Sardinien, in Spanien und Portugal. Kork als Flaschenverschluss ist aber erst seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Die griechischen und römischen Weinamphoren wurden noch mit Wachs versiegelt.
Wegen seiner Schwimmfähigkeit wird Kork, der am Stamm alle 10–15 Jahre ohne die Korkmutterrinde zu verletzen, geschält werden kann, für Rettungsringe und Schwimmwesten verwendet.

Abfälle und Korkmehl dienen zur Linoleumherstellung. Die amerikanische Roteiche, die heute auch bei uns in Württemberg wegen des rascheren Wachstums und der geringen Ansprüche an den Boden zuweilen angebaut wird, ist charakteristisch in ihrer Blattform und zeigt im Herbst eine leuchtend rote Belaubung. Wir können diese Bäume zum Beispiel auch im Staatswald Forst (zwischen Bietigheim und Ingersheim) antreffen.
Ein Nachteil des Holzes ist allerdings, dass es zu Weinfässern nicht verarbeitet werden kann, da die großen Holzporen den leicht flüchtigen Alkohol durchlassen.

(vgl. auch Trauben-Eiche und Zerr-Eiche)

Dr. Hans Halla

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