Störche in Ingersheim - Chancen einer Wiederansiedelung
Seit wir uns 2012 eine Themenliste gegeben haben, ist der Storch mit dabei. Als Fachvortrag bei unserer MV 2012 hatten wir die Storchenbeauftragte Ute Reinhard zu Besuch. Im Vorfeld haben wir uns gemeinsam auf der Ingersheimer Markung umgeschaut, um die Chancen für "brütende Störche" zu erkunden.
10 Jahre später warten wir vergeblich darauf, dass ein Storchenpaar sich der künstlichen Nisthilfe auf der Großingersheimer Kelter annimmt.
Zwischenzeitlich sind die Störche häufiger geworden; im Pleidelsheimer Baggesee hat ein Storchenpaar viele Jahre gebrütet. Selbst als die Storchenfrau zu Tode kam, war am Folgejahr der Storchenmann mit neuer Partnerin wieder da. 2022 sind sie nach Freiberg umgezogen; vermutlich wegen der fehlenden Standfestigkeit des im Baggersee stehenden Altholzstamm.
2023 wurde erstmals der Nachwuchs beringt (KaZi).
06.2023: Storchenberingung am Freiberger Schlössle
Seit 2022 brüten auf dem Wasserschloss in Freiberg-Geisingen Weißstörche. Davor hatten sie jahrelang am Pleidelsheimer Baggersee ihr Domizil, dessen Standfestigkeit nicht mehr gegeben war. Sie sind vermutlich gerne auf die in Freiberg auf dem Schlössle erstellte künstliche Nisthilfe umgezogen.
Wie im Vorjahr sind wieder drei Jungstörche geschlüpft und stehen kurz vor dem Ausfliegen. Das ist genau die richtige Zeit für die Beringung der Jungvögel. Die Stadt Freiberg a. N. hat hierbei mit der Storchenbeauftragten des Landes, Judith Opitz kooperiert. Karin Zimmer und Uli Michelfeit vom BUND haben die Aktion in die Wege geleitet. Die Beringungsaktion wurde möglich, dank der Unterstützung durch die Freiwillige Feuerwehr von Freiberg a. N.
Störche waren in Baden-Württemberg fast ausgestorben. Dank aktiver Hilfsprogramme der Umweltverbände und auch des Landes hat ihre Zahl wieder zugenommen. Die Hilfsprogramme werden wissenschaftlich betreut. So unterstützt die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) das Artenmonitoring durch eine Storchenbeauftrage, welche die Jungstörche im Land beringt. Dadurch ist es möglich, die Entwicklung der Population wissenschaftlich zu untersuchen. Hierbei kooperieren die Beteiligten mit der Vogelwarte Radolfzell, wohin die Ringbeobachtungen gemeldet werden.
Bei schönstem Frühlingswetter stiegen die Storchenbeauftragte Judith Opitz begleitet von Feuerwehrmann und Fotograf in den Arbeitskorb am Ende der Drehleiter. Den Jungvögeln wurden Plastikringe an den Beinen angebracht und sie wurden gewogen. Mehr als 2 kg zeigte die Waage beim kräftigsten Vogel, und ein halbes Kilo weniger beim schwächsten. Die Beringung ist für die Tiere völlig ungefährlich und auch die Alttiere verließen nur kurz das Nest, um gleich danach zu den Jungen zurückzukehren.
Frau Opitz nahm die Gelegenheit wahr, um über ihre Arbeit und die Entwicklung der Weißstörche in Baden-Württemberg zu berichten. Der Bestand betrug 1975 nur noch 15 Brutpaare und hat sich heute im ganzen Bundesland auf 1840 Brutpaare erhöht, was den intensiven Arterhaltungsmaßnahmen zu verdanken ist. Auch bleiben viele Störche wegen der Klimaerwärmung über den Winter hier. Dadurch überleben viele, die sonst auf ihren weiten Wanderungen nach Afrika gestorben wären. Trotz dieser Erfolge ist der Storch noch nicht über dem Berg, da die Nahrungssituation immer schlechter wird, so Frau Opitz. Insbesondere die Jungvögel sind auf eiweißreiche Nahrung in Form von Insekten angewiesen. Da der Bestand der Insekten um bis zu 70 Prozent zurückgegangen ist, haben die Jungen ein Problem und viele schaffen es nicht, gesund groß zu werden oder zu überleben. Nach Aussage von Frau Opitz gab es bisher im Kreis Ludwigsburg nur drei Brutpaare des Weißstorches. (Text für das Ingersheimer Amtsblatt 9.6.2023).
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